Studientagung
Dialog Christentum-Islam
Grundlagen, Beispiele, Ermutigung
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„Faszinierend waren die Verknüpfungen dieses Tages, zwischen den theoretischen Grundlagen und dem konkreten Leben, zwischen dem kleinen Beginn im Alltag und den Tiefen, zu denen dieser Dialog führen kann“, so das Resümee einer Teilnehmerin der Studientagung Dialog Christentum-Islam, die am 27. 3. 2010 im Innsbrucker Haus der Begegnung stattfand.
Rund 120 Teilnehmer aus ganz Österreich, darunter etwas 20 Muslime, waren der Einladung der Fokolar-Bewegung gefolgt.
Dr. Peter Ferner, Regens des Innsbrucker Priesterseminars beleuchtete die Grundlagen des Dialogs aus christlicher Sicht. Nach Jahrhunderten, Mauern errichtet und einander Unheil angetan wurde, habe das Zweite Vatikanische Konzil mit dem Dokument „Nostra Aetate“ neue Wege beschritten. Ferner erinnerte an den Apostel Paulus, der im Dialog mit den Menschen seiner Zeit Christus verkündete, der für alle gestorben ist und allen das Heil gebracht hat – innerhalb oder außerhalb der Kirche.
Der islamische Theologe Adnane Mokrane grundlegende Sichtweisen: „Die Rolle des Korans und der Religion ist es“, sagte er u. a., „uns auf Zeichen hin zu öffnen, die außerhalb von uns und in uns sind. Der Dialog ist die Suche nach diesen Zeichen Gottes in den Kulturen, in den Religionen. Der Koran sagt: Oh Mensch, wir haben euch geschaffen aus einem Mann und einer Frau und wir haben aus euch Völker und Stämme gemacht, damit ihr euch gegenseitig kennenlernt.“
Mokrane sieht in der Demut eine wesentliche Voraussetzung für den interreligiösen Dialog: „Überall wo Demut ist, ist Offenheit für Gott. Denn das gefährlichste Götzenbild für den Menschen und die Religion ist der Hochmut, der individuelle und kollektive Egoismus. Dialog hingegen ist ein religiöser Akt der Befreiung.“
Die Frucht der Religion seien ganzheitliche Menschen, vereinte, befriedete und gereinigte Personen, in denen sich die Einzigartigkeit Gottes spiegelt.
Wobei im Koran die Pluralität, die kulturelle und religiöse Unterschiedlichkeit, als von Gott gewollt dargestellt werde, diese also kein Hindernis für die Tawhid, die Einheit der Menschheitsfamilie sei.
Doch wie soll man mit der Unterschiedlichkeit umgehen? Die Iranerin Shahrzad Houshmand Zadeh ist die erste islamische Frau, die an der Lateranuniversität einen Abschluss in katholischer Theologie gemacht hat und heute – ebenfalls als erste Muslima – an der Gregoriana lehrt.
Obwohl sie sich mit Leidenschaft daran gemacht hatte, das Christentum zu studieren, erzählte Houshmand Zadeh in Innsbruck, sei sie so sehr an ihre Grenzen gestoßen, dass sie ihr Studium aufgeben wollte. Nur die Zuneigung einer Mitstudentin, die ihr Gehör schenkte und sie in ihren Fragen verstand, gab ihr den Mut weiterzugehen und das Studium abzuschließen.
Die Begegnung mit Chiara Lubich und der Fokolar-Bewegung waren für sie Ansporn den Koran noch besser zu studieren. Sie wurde gebeten, zum „Wort des Lebens“ Monat für Monat einen dazu passenden Vers aus dem Koran zu finden und auszulegen. „Zum Beispiel: ,Gott ist Liebe‘. Wo steht das im Koran? Mir gar nicht mehr aufgefallen, dass am Anfang jeden Kapitels der Satz steht: ,Im Namen Gottes, Fülle der Liebe und der Barmherzigkeit‘. Gott hatte mir das Geschenk gemacht, mich dem andern zu öffnen, und im Gegenzug hat er nicht verlangt, dass ich mich zum Christentum bekehre, sondern zu Gott. So habe ich ihn in meiner eigenen Religion neu gefunden.“
Wer sich heute in Österreich sozial engagiert in Schule, Politik oder Kirche kann die religiöse Heterogenität unserer Gesellschaft nicht übersehen. Sie wirft neue Fragen auf und stellt uns vor neue Herausforderungen. Auf diese verwies der Innsbrucker Sozialethiker Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver im letzten Referat des Tages. So wollen etwa laut jüngsten Umfragen zwar 61 % der Bevölkerung, dass Österreich ein christliches Land bleibe, die christliche Erziehung rangiere bei Wertefrage jedoch nur an vorletzter Stelle. Gleichzeitig leben in Österreich mittlerweile rund 500.000 Muslime, die hier genauso Heimatrecht beanspruchen.
In einer abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Referenten einig, dass Unwissenheit und mangelnde religiöse Bildung Angst vor dem Fremden hervorrufen. Adnane meinte: „ Oft zieht man aus Angst Demarkationslinien. Ein großer Teil der Integration besteht darin, pädagogisch klug miteinander umzugehen. Die Frage der Identität ist häufig eine Frage von Macht und Angst.“
Wie ein authentischer Dialog möglich ist? Shahrzad Houshmand Zadeh zitiert Chiara Lubich: „Dialog ist für den unmöglich, der nicht weiß, was lieben bedeutet, nämlich bereit zu sein, alles zu geben, Wünsche beiseite zu legen, um dem anderen zuzuhören.“
Die Studientagung hat etwas in Bewegung gesetzt, was sich in den 120 Teilnehmern tief eingeprägt hat. Ein Teilnehmer schrieb:
„Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Gott mir an diesem Tag eine Erfahrung schenkt, die für mein Leben wichtig ist. Ich tauchte in eine Einheit ein, wie ich sie bei solcher Vielfalt (verschiedene Menschen, Religionen, Fremde …) nicht kannte.. .. Ich lebe immer noch in dieser Einheit. Sie gibt mir Orientierung auf der Wegsuche, Trost in allen Zerrissenheiten, Mut zum Dialog, Freude in den vielen Traurigkeiten, die ich erlebe. Diese Einheit ist die Liebe und Treue Gottes.“
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