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Das Wort leben und mitteilen, was es bewirkt

Auf verschiedene Weise kommen wir mit dem Wort Gottes in Berührung, zum Beispiel in der Liturgie, in der persönlichen Schriftlesung und Meditation. Gott spricht „auch in unserm Innern; das Hören auf seine Stimme“. Um uns von Gottes Wort prägen zu lassen, konzentrieren wir uns für einen gewissen Zeitraum jeweils auf ein bestimmtes Bibelwort. Daran versuchen wir unser Leben auszurichten. Wir meditieren dieses Wort nach einem erläuternden Kommentar von Chiara Lubich, der von Vertretern der Kirche geprüft wurde.
Die Schriftworte, die wir auf diese Weise vertiefen und leben, erschienen uns wie die Buchstaben eines Alphabets, das Gott uns in die Hand gibt, um Christus tiefer kennen zu lernen. Um Lesen und Schreiben zu lernen, genügt die Kenntnis weniger Buchstaben und grammatikalischer Regeln; wer sie nicht beherrscht, bleibt sein Leben lang Analphabet. Ähnlich ist es mit der Heiligen Schrift. Wenige Sätze des Evangeliums, die man verinnerlicht, genügen, damit Christus in uns heranwachsen kann.
Um nicht „Analphabeten des Evangeliums“ zu bleiben, wollen wir das Wort Gottes leben. „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22).

Im Leben nach dem Wort Gottes machen wir wertvolle Erfahrungen. Vieles geht uns neu auf und wir fühlen uns reich beschenkt. An diesen Erkenntnissen und Erlebnissen lassen wir einander teilhaben ... Wer zuhört, profitiert davon, und wer spricht, wird selbst bereichert. Wir stellen fest, dass das, was wir anderen weiterschenken, in uns lebendig bleibt und unserem geistlichen Leben Auftrieb gibt. Dagegen verkümmern wir innerlich, wenn wir das Erlebte nur für uns behalten. Von einer ähnlichen Erfahrung schreibt Bernhard von Clairvaux: „In euch, Brüder, finde ich wirklich Ohren, die hören. Aber ich gestehe, dass ich auch jetzt, während ich spreche, den Eindruck habe, die Glut eurer Bereitschaft in mir zu erfahren; denn je mehr ihr aufnehmt, desto mehr wird mir das Geschenk des Heiligen Geistes zuteil; und in einem umso größeren Maß erhalte ich, was ich euch gebe.“
Das Wort leben und Erfahrungen mitteilen muss unser Leitmotiv werden: Über Bibelworte nicht nur zu reflektieren und sie zu meditieren, sondern ein Wort beständig vor Augen zu haben und aus dieser inneren Verbindung mit dem Wort Gottes den Alltag zu gestalten.
Die Ausrichtung am Wort Gottes bewirkt eine Veränderung: Nicht mehr das eigene Ich, nicht mehr das Wir der eigenen Gruppe stehen im Vordergrund, sondern Christus, das Wort, lebt in uns und unter uns (vgl. Gal 2,20; Mt 18,20). Anders gesagt: Durch das Leben nach dem Wort Gottes geschieht eine Erneuerung von Einzelnen und Gruppen im christlichen Sinn.

Chiara Lubich
(aus dem Buch: „Gottes Wort bringt Leben – Erfahrungen und Anregungen“, Verlag Neue Stadt, ISBN 3-87996-572-2)