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Maria - Gottes offenes Buch

Eine Mutter hört nicht auf, ihre Kinder zu lieben, wenn sie falsche Wege gehen. Sie wartet, bis die Kinder zurückgekehrt sind. Sie hat nur den einen Wunsch, ihre Kinder bei sich zu haben, ihnen zu verzeihen, sie wieder in die Arme zu schließen. Die Liebe einer Mutter ist voller Barmherzigkeit. So schmerzlich oder bedrückend die Situation, in der sich ihr Kind befindet, auch sein mag — die Liebe der Mutter reicht immer noch weiter. Sie nimmt nicht ab, wenn das Kind in moralische, ideologische oder sonstige Stürme gerät. Sie steht darüber, möchte alles zudecken und für sich behalten. Sieht eine Mutter ihr Kind in Gefahr, zögert sie keinen Augenblick, für das Kind alles zu riskieren, wenn nötig auch das eigene Leben. Die Liebe einer Mutter ist stärker als der Tod ..
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Wenn die Mutterliebe so ist, wie müssen wir uns dann erst Maria vorstellen, die Gottesmutter, Mutter Jesu und — geistigerweise — unser aller Mutter! Sie ist die Mutter, Urbild der Mutterschaft, der mütterlichen, menschlichen Liebe. Und da Gott „die Liebe" ist, erscheint uns Maria als eine Art Erklärung Gottes, als offenes Buch, das uns verständlich macht, wie Gott ist.
Gottes Liebe ist so groß, daß sein Sohn für uns den bitteren Kreuzestod erlitt. Für uns, um uns zu retten — wie eine Mutter, die alles um ihrer Kinder willen tut.
Maria, die Mutter Gottes, ist das Geschöpf, das ihn widerspiegelt und so klar zeigt wie kein anderer.
Unser Glaube an die Liebe Marias zu uns sollte lebendiger werden. Vertrauen wir darauf, daß sie uns wirklich liebt, und orientieren wir uns an ihr. Maria kann für jeden Christen Vorbild sein; sie weist uns den geraden Weg zu Gott.

Chiara Lubich
(aus dem Buch: "Alles besiegt die Liebe" - Betrachtungen und Reflexionen, Verlag Neue Stadt, S. 168-169)