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Die Einheit PDF Drucken
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Das Vermächtnis Jesu

Die Worte eines Vaters sind immer kostbar; denn unwillkürlich schenkt man dem Glauben, der aus Liebe spricht. Besonders gilt dies für die letzten Worte, die ein Vater vor seinem Sterben sagt. Sie prägen sich den Kindern tief ein und haben so viel Gewicht wie alle anderen Worte zusammengenommen. Sie sind sein Vermächtnis.

Unendlich größer als die Liebe jedes Vaters ist die Liebe Gottes. Auch der menschgewordene Gott, Jesus, hat gesprochen und uns ein Vermächtnis hinterlassen: „Alle sollen eins sein" (Joh 17,21).
Wer sein Leben auf die Einheit ausrichtet, hat das tiefste Anliegen Gottes erfaßt.
Alle sind wir Brüder und Schwestern, aber oft gehen wir achtlos aneinander vorbei. Das geschieht auch unter Christen. Sicher, es gibt die Gemeinschaft der Heiligen, den Mystischen Leib; aber die Beziehungen zwischen den Gliedern dieses Leibes sind oft wie dunkle Gänge. Die Kraft, sie zu erleuchten, ist vorhanden; denn in vielen Menschen ist die Gnade lebendig. Doch letzteres allein entspricht noch nicht dem Anliegen Jesu, das in seiner Bitte an den Vater zum Ausdruck kommt. Er wollte „erleuchtete Gänge", einen Himmel auf Erden: die Einheit aller mit Gott und untereinander. Er wollte gegenwärtig sein in allen Beziehungen, nicht nur in jedem einzelnen. Das ist sein Vermächtnis, der brennendste Wunsch Gottes, der sein Leben für uns gegeben hat.

Chiara Lubich
(aus dem Buch: "Alle sollen eins sein" - Geistliche Schriften, Verlag Neue Stadt, S. 32)


Die Bedeutung der Einheit

Chiara Lubich hat 1982 in Seoul/Korea auf folgende Frage geantwortet:
"Kannst Du uns sagen, was für Dich Einheit bedeutet, nachdem Gott Dir dieses Charisma gegeben hat?"
"Ich bin mir in diesen vielen Jahren bewusst geworden, dass die Einheit wirklich etwas Wichtiges ist. Jesus hat gesagt, er werde immer bei uns bleiben, bis ans Ende der Welt: Und ich weiß, dass er z. B. in der Eucharistie geblieben ist. Welch großer Wert, die Eucharistie!
Außerdem hat er gesagt, er bleibt in den Aposteln, in den Bischöfen. Er bleibt in seinem Wort. Sein Wort ist eine Gegenwart von ihm! Er bleibt in den Armen. Er ist auf all diese Weisen da.
Aber oft sehen wir Christen ihn nicht, und die anderen noch weniger. Gibt es einen Ort, wo man ihn wirklich sieht, wo er sich offenbart, wo er sich ausdrückt? Wo er aber hervortritt und wo die Welt ihn wahrnimmt als eine Atmosphäre, als ein Klima, das ist in der Einheit! Wo zwei oder mehr in seinem Namen vereint sind, dort ist Jesus!
Der Präsident der Rissho Kosei-Kai, Nikkyo Niwano, hatte mich einmal gefragt: "Wieso sind immer alle glücklich und alle gleich? Italiener, Koreaner, Spanier, alle, alle gleich?"
Er sah nicht mehr die verschiedenen Gesichtszüge oder Hautfarben, er sah, dass wir alle gleich waren. Er sah Jesus! In der Einheit offenbart sich Jesus! Er hat es selbst gesagt: "Sie sollen eins sein, damit die Welt glaube!"
Was ist also die Einheit für mich?
Nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, hat er gesagt: "Ich bleibe bei euch bis ans Ende der Welt." Jesus ist hier, in der Einheit! Der Auferstandene ist hier, in unserer Mitte. Und wir müssen einander so sehr lieben, dass wir ihn der Welt zeigen. Wir müssen Monstranzen sein von Jesus dem Auferstandenen. Das ist unsere Aufgabe!
Fassen wir zusammen: Für mich ist die Einheit Jesus der Auferstandene heute in der Welt. Das ist die Aufgabe unserer Bewegung. Das ist etwas Gewaltiges. Ihn zeigen, ihn sehen lassen. Wie die Muttergottes das Jesuskind hergezeigt hat. Ja, auch wir können das tun. Und auch die Jüngeren, alle! Warum? Weil Jesus gesagt hat: "Wo zwei oder drei...", ohne zu sagen: Kleine oder Große, Priester oder Schwestern. Er hat gesagt: "Wo zwei oder drei..." Deshalb auch die Gen 3, auch die Gen 4, auch Priester, Bischöfe, Schwestern: Alle können den Auferstandenen zeigen!"