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Vor 90 Jahren wurde Chiara Lubich geboren PDF Drucken

altAm 22. Januar wäre Chiara Lubich 90 Jahre alt geworden.

Eli Folonari, die über 50 Jahre Chiaras Lebensweg aus nächster Nähe begleitet hat, gab aus diesem Anlaß ein Interview, das auf der italienischen Homepage der Fokolar-Bewegung erschienen ist. Wir geben eine leicht gekürzte Zusammenfassung wieder.


Welche Rolle hat Chiara im geschichtlichen Kontext gespielt?


Ich denke, daß Gott immer in die Geschichte eingegriffen und für die jeweiligen Nöte der Menschheit ein ganz bestimmtes Charisma geschickt hat. Heute wird in der Welt das Streben nach Einheit auf allen Ebenen deutlich, internationale Organisationen wie die UNO oder die EU geben davon Zeugnis. Auch die Kirchen, die Religionen gehen aufeinander zu und suchen den Dialog. Man kann also sagen, daß es für das Charisma der Einheit einen historischen Kontext gibt. Die Worte Jesu: "Alle sollen eins sein", auf die sich Chiaras Charisma bezieht, sind der höchste Ausdruck dieser Einheit, die Fülle der Einheit. Chiaras Intuition, daß die gegenseitige Liebe zur Einheit führt, war eine Neuigkeit, die Entdeckung, daß man gemeinsam, miteinander zu Gott gehen kann.

Verschiedene Persönlichkeiten der christlichen Kirchen haben Chiara "prophetische Gaben" zugesprochen. Kannst Du uns berichten, wie sich einige dieser Prophezeiungen erfüllt haben?

Eine Episode aus unserer Geschichte: wir waren noch ganz am Anfang. An einem Christkönigsfest hat Chiara die ersten Fokolarinnen dazu eingeladen, das zu erbitten, was sie in der Schrift lasen: "...Bitte mich darum, und ich werde dir die Völker der Erde zum Erbe geben". Chiara hat noch erlebt, daß sich dieses Charisma in 184 Ländern der Erde ausgebreitet hat...Die Begriffe "Gütergemeinschaft" und "Einheit" kamen nur bei den Kommunisten vor, die Worte der Schrift nur bei den evangelischen Christen, nicht bei den Katholiken. Jesus in der Mitte war eine ganz neue Erfahrung, die so vorher nicht gelebt worden ist, nur die Kirchenväter sprachen davon; der Dialog mit den Weltreligionen, mit allen, die sich keiner Religion zugehörig fühlen gehört heute zum Leben der Kirche, damals waren das ganz neue Horizonte. Auch die Erfahrung mit dem Volk der Bangwa in Afrika, die neue Evangelisierung begann bereits in den sechziger Jahren in der Bewegung, als noch niemand davon sprach. Die Bedeutung der Laien wurde schon sehr frühzeitig durch die Bewegung ins Spiel gebracht, sei es in der institutionellen Kirche, als auch in allen gesellschaftlichen Bereichen und Wissensgebieten. Man kann verstehen, daß sich Gott ausgerechnet eine Frau ausgesucht hat, um die Einheit unter allen aufzubauen...

Wie verstand sich Chiara mit Kindern und Jugendlichen?

Sehr gut. Sie glaubte an ihre Großzügigkeit, ihre Begeisterung für große Ziele. Chiaras Beziehung zu den Jugendlichen war einfach, direkt und spontan. Und umgekehrt genauso. Die jungen Leute gingen mit ihr, sie waren fasziniert von diesem großen Ideal der Einheit. Chiara bekam sehr, sehr viele Briefe von Jugendlichen, die wie sie das Evangelium ohne Abstriche leben und Gott alles geben wollten. Als Chiara den Anstoß zur Wirtschaft in Gemeinschaft gab, ging sie zuerst zu Studenten, um sie mit diesen Gedanken zu konfrontieren, sie herauszufordern und zu ermutigen, neue Wege zu gehen. Chiara hat ja selbst als junger Mensch angefangen, dieses Ideal der Einheit konkret umzusetzen und sie war sofort von anderen jungen Menschen umgeben, die es ganz mit ihr teilen wollten. Chiara hat der Jugend immer vertraut.

Was, meinst Du, würde Chiara uns heute sagen?

Ich denke, sie würde sagen: Liebt einander, wie Jesus uns geliebt hat.