Für einen Dialog des Volkes
"Wenn wir Christen auf unsere zweitausendjährige Geschichte zurückblicken, befällt uns Traurigkeit darüber, dass sie zu einem großen Teil von Streit und Kriegen unter den Christen geprägt war. Die Ursache? Sicher spielen geschichtliche, kulturelle, politische, geographische und soziale Gründe eine Rolle ..., aber es liegt auch daran, dass unter den Christen ein für sie typisches Element schwächer geworden ist: die Liebe. Wenn wir heute versuchen wollen, die Folgen wieder gut zu machen, müssen wir den Ursprung unseres gemeinsamen Glaubens vor Augen haben: Gott, der Liebe ist und uns auch heute zur Liebe ruft.
Wenn wir gemeinsam die verschiedenen Aspekte des Christentums leben, werden wir feststellen, dass wir schon jetzt sozusagen ein einziges christliches Volk bilden, das Sauerteig für die volle Gemeinschaft der Kirchen sein kann. Zum Dialog der Liebe, des Gebetes und dem theologischen Dialog kommt auf diese Weise eine weitere Art des Dialoges hinzu: der Dialog des Volkes, des Volkes Gottes. Dieses Volk, das sich hier und dort bereits abzeichnet, wünschen wir uns überall."
Auszug aus einer Rede Chiara Lubichs in der lutherischen St. Anna-Kirche in Augsburg am 29. November 1998.
Die Spiritualität der Fokolar-Bewegung erreicht heute Christen von 300 verschiedenen Kirchen. Sie finden darin entscheidende Impulse für ihr Leben und ihren Glauben und fühlen sich motiviert, die Einheit unter den Christen zu fördern und zu vertiefen. Erste ökumenischen Kontakte gab es bereits in den 60er Jahren mit der evangelisch-lutherischen Kirche, mit der anglikanischen und reformierten Kirche. Wertvolle Begegnungen mit der orthodoxen Kirche begannen mit Patriarchen Athenagoras I.
Seit 1982 treffen sich auf Initiative der Fokolar-Bewegung jährlich Bischöfe aus verschiedenen Kirchen, um diesen Dialog untereinander zu vertiefen In Ottmaring/Augsburg entstand mit Zustimmung der Verantwortlichen der katholischen Kirche und der evangelischen Landeskirche ein ökumenisches Lebenszentrum. Seit Jahren bezeugen dort evangelische und katholische Christen - von der Bruderschaft vom gemeinsamen Leben und von der Fokolar-Bewegung - durch ihr Leben jene Einheit, die auf der Basis der am Evangelium ausgerichteten Liebe schon ist. bei der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung 1997 in Graz spricht Chiara Lubich im Eröffnungsreferat über "Schwerpunkte einer ökumenischen Spiritualität".
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