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Spiritualität - Aus dem Leben PDF Drucken
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Ebbe in der Geldbörse

Winter in Innsbruck. 22°° abends und klirrende Kälte. Ich vermumme mich in meiner Parka und schaue, möglichst schnell nach Hause zu kommen. Da verstellt mir ein junger Mann den Weg. Er spricht mich an und bittet mich, ihm um ATS 300,- seine Heizkanone abzukaufen, denn seine Vermieterin will ihn noch heute auf die Straße stellen, wenn er nicht die ganze Miete bezahlt. Ich sage zunächst „Leider nein“, da ich noch exakt ATS 323,- in meiner Geldbörse habe, diese Geld muß reichen um für die zweite Hälfte des Februars meinen Lebensaufwand abzudecken; jeder Schilling ist eingeteilt, um die Hauptnahrungsmittel Brot und Butter zu erwerben. Meine Freunde sind in den Semesterferien und ich habe sonst niemanden, den ich anpumpen könnte. Beim Weggehen fällt mir ein, dass ich zumindest ein warmes Zimmer habe, der andere aber gar nichts. Mir fällt das Schriftwort ein „Gebt, und es wird Euch gegeben“. Ich dreh mich um, rufe ihm nach und gebe ihm die fehlenden 300.-; die Heizkanone kann er sich behalten. Als ich dann weiter nach Hause ging, stieg mir die Verzweiflung hoch, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich über die Runden kommen sollte. Zuhause angelangt hängt zu meiner Überraschung vor meiner Tür eine große Tasche voll mit Lebensmittel: Brot, Speck, Eier, Käse Äpfel, Butter – ein Fest für einen hungrigen Studenten. Bis heute weiß ich nicht, wer diese Tasche dorthin gehängt hat.


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Eine Kur nicht nur für den Körper

Bei meinem Kuraufenthalt hatte ich mehr Zeit als sonst auf die Stimme des Körpers zu hören, aber noch wichtiger war, dass ich auf die innere Stimme zu hören versuchte. Allzu oft war es gar nicht so leicht, wirklich im gegenwärtigen Augeblick zu leben. Zu sehr bin ich gewohnt und versucht gleichzeitig mehrere Dinge zu beginnen oder nicht bei der Sache zu bleiben. Und manchmal fällt es schwer rechtzeitig aufzuhören. Das habe ich beim Gebet, bei der Meditation erlebt, wo mich ein Zitat von Johannes vom Kreuz begleitete: "Wenn der Vogel auch nur an einem noch so dünnen Faden angebunden ist, er kann nicht fliegen, er ist nicht wirklich frei. So merkte ich wie ich bei meinem Tun immer wieder an etwas hängen bleibe, wo es doch gilt abzuschneiden um wirklich frei zu sein. In den folgendenTagen erlebte ich dann besonders schöne Begegnungen mit den anderen Kurgästen. An einem Nachmittag habe ich mit anderen Priestern und einer pensionierten Frau bei einem Puzzlespiel etwas Schönes erlebt. Ihre Kinder haben es ihr geschenkt: vier etwas eigenartig zugeschnittene Holzblättchen. Obwohl es ihr die Kinder noch vor kurzem gezeigt hatten, konnte sie das „T“ nicht mehr zusammensetzen. So haben wir uns gemeinsam bemüht, die Lösung zu finden. Es wollte uns aber nicht gelingen. Doch "Ausdauer ist der Schlüssel des Erfolges" - auch im Leben des gegenwärtigen Augenblicks. Zwischendurch versuchte ich mit geeigneten Sprüchen oder Liedtexten das angestrengte bemühen zu lockern. Plötzlich haben wir tatsächlich gemeinsam die Lösung gefunden. Das Erfolgserlebnis für die Dame war groß. Da sie offensichtlich gemerkt hat, mit welcher Begeisterung ich das Spiel betrieben habe, überreichte sie es mir beim Abendessen als Geschenk. Beim Abschied am letzten Tag hat sich gezeigt, dass durch so ein einfaches Ereignis wirklich eine Beziehung entstanden ist. Die alte Dame sagte mit leuchtenden Augen und ein bisschen Wehmut:"Schön war's, auch wenn wir uns wahrscheinlich nicht mehr sehen werden."

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Das Anliegen war mir nicht gleichgültig

"In diesem Jahr sind Gehaltserhöhungen nicht drin. Sie brauchen den Angestellten gar keine Hoffnungen zu machen." Nach dieser deutlichen Anordnung des Direktors war mir klar, was ich zu tun hatte: Ich sollte alle Bitten um höhere Löhne von vornherein abwimmeln. Auch wenn ich um die schwierige Finanzsituation des Betriebes wußte, überraschte mich diese kathegorische Aussage. Seit vielen Jahren arbeite ich als Personalchef in dem Unternehmen. Für mich bedeutet diese Aufgabe, dass ich oft zwischen den Anliegen der Angestellten und den Weisungen der Geschäftsleitung vermitteln muss. Einige Tage nach dem Gespräch mit dem Chef kam ein Arbeiter in mein Büro und erzählte mir von seinen finanziellen Schwierigkeiten. Er habe eine große Familie zu versorgen und das Gehalt reiche dafür nicht aus. Er bat um Lohnerhöhung. Nur zu gut hatte ich noch im Ohr, was mein Chef mir gesagt hatte. Andererseits war mir das Anliegen dieses Arbeiters nicht einfach gleichgültig. Ich erklärte ihm, dass die Aussichten auf mehr Geld schlecht seien, dass ich aber mein Mögliches versuchen würde. Ich sagte dies, obwohl ich nicht davon überzeugt war, etwas bewirken zu können. "Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn..." lautete das Wort des Lebens in jenem Monat. Dieser Satz half mir, nicht nur auf meine eigenen Kräfte zu vertrauen, sondern mich an Gott zu wenden. Mit der Gewissheit, dass für Gott nichts unmöglich ist, ging ich zu meinem Chef und trug ihm die Bitte vor. Er ging gar nicht auf die Problematik ein und sagte nur:"Gehaltserhöhungen sind nicht drin." Ich versuchte es noch einmal und gab zu Bedenken, dass eine Familie doch wichtiger als die Jahresbilanz sei. Er schüttelte nur den Kopf und wiederholte unwirsch seine Aussage. Daraufhin verließ ich sein Büro. "Jetzt kannst nur noch du etwas machen", vertraute ich Gott die Angelegenheit an. Einige Tage später kam der Arbeiter auf mich zu und bedankte sich bei mir für die Lohnerhöhung. Ich war sehr verwundert, denn offenbar hatte der Chef dem höheren Gehalt zugestimmt, ohne mich als Personalchef darüber zu informieren. Aber vor allem freute ich mich für die Familie des Arbeiters. "Dafür müssen Sie sich bei jemandem anderen bedanken", antwortete ich. E.C. (aus Zeitschrift: Neue Stadt)